Diagnose: Brustkrebs
Teil 1: Von der Diagnose...
Rund 280 Vorarlberger Frauen erkrankten 2008 an Brustkrebs (Mammakarzinom), in ganz Österreich sind es jährlich etwa 5.000. In den letzten Jahren hat die Häufigkeit von Brustkrebserkrankungen zugenommen. „Doch dank der Teilnahme der Bevölkerung an Vorsorgeuntersuchungen sowie verbesserter Therapien hat die Sterblichkeit deutlich abgenommen“, weiß Univ.-Doz. Dr. Anton Haid, Facharzt für Allgemein- und Thoraxchirurgie am Landeskrankenhaus Feldkirch. Von 1994 bis 2004 gab es in Deutschland elf Prozent mehr Neuerkrankungen. Demgegenüber wurde bei den Sterbefällen im selben Zeitrum ein Minus von 15 Prozent verzeichnet. Laut Dr. Haid dürfen diese Zahlen auch für Österreich angenommen werden.
Heilung bei über 70 Prozent.
Nichtsdestotrotz ist die Diagnose „Brustkrebs“ immer noch eine enorme emotionale Belastung für Frauen. Die Angst vor Brustoperation, Chemo- und Strahlentherapie ist sehr groß. Anton Haid sowie vielen anderen Ärzten zufolge fußt diese jedoch auf einem Informationsmangel, denn Brustkrebs ist heutzutage ungleich besser diagnostizier- und behandelbar: Über 70 Prozent aller Patientinnen mit einem Mammakarzinom können geheilt werden. Natürlich besteht trotzdem die Gefahr, dass nach einer erfolgreichen Behandlung wieder neues Tumorwachstum auftritt. Daher wird auch sehr viel Wert auf die Nachfolgeuntersuchungen gelegt, die in den ersten drei Jahren alle vier Monate, später alle sechs Monate durchgeführt werden sollten.
Sensible Aufklärung.
Im LKH Feldkirch werden die Betroffenen unmittelbar nach der Diagnose in einem ausführlichen Erstgespräch über ihre Erkrankungen informiert – auf Wunsch werden Angehörige, Partner oder eine Freundin miteinbezogen. Zudem erhalten alle Patientinnen eine auf das Haus zugeschnittene und auf verständliche Weise geschriebene Broschüre. Dr. Haid: „Darin finden sich auch Kontakthinweise, etwa zur Krebsberatungsstelle, zur Frauenselbsthilfegruppe, aber auch welche Fachärzte wofür zuständig sind.“ Speziell ausgebildete Krankenschwestern, sogenannte „breast care nurses“, kümmern sich besonders um die Betroffenen, denen übrigens auch psychotherapeutische Hilfe angeboten wird. „Es ist ein überaus emotionales Thema, daher achten wir sehr auf eine sensible Aufklärung“, so Anton Haid.
Risiko minimieren.
Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken kann durch eine gesunde Lebensweise minimiert werden. Dazu zählen etwa Sport, eine gesunde sowie abwechslungsreiche Ernährung, Vermeidung von Übergewicht und Rauchen sowie ein vorsichtiger Einsatz von Hormonpräparaten insbesondere in den Wechseljahren. Zu den Risikogruppen zählen Frauen, wenn zwei und mehr Familienmitglieder der ersten Verwandtschaftslinie – Mutter, Großmutter, Geschwister – Brust- oder Eierstockkrebs hatten. Dr. Haid empfiehlt jedoch jeder Frau, neben den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen, die monatliche Selbstuntersuchung, also das Abtasten der Brüste: „Früherkennung ist immer noch das beste Mittel im Kampf gegen Brustkrebs.“
„Glücklicherweise kann heutzutage die Mehrzahl aller Brustkrebs-Patientinnen geheilt werden. Für die Behandlung standen noch nie so viele Möglichkeiten zur Verfügung wie heute.“
Univ.-Doz. Dr. Anton Haid, FA für Allgemein- und Thoraxchirurgie
Teil 2: ...über Vorbehandlung und Operation...
Die Diagnose „Brustkrebs“ muss frau erst einmal verdauen. Am Landeskrankenhaus Feldkirch werden die Patientinnen in einem Erstgespräch ausführlich über ihre Erkrankung informiert. Zu Beginn der Behandlung wird durch eine Gewebeentnahme die Bösartigkeit des Tumors bewiesen und das Brustkrebs-Stadium geklärt. Erst dann kann die Therapie für jede Betroffene individuell festgelegt werden – ein Standardverfahren gibt es nicht. In manchen Fällen wird vor der Operation eine Chemo- oder Hormontherapie durchgeführt, erklärt Univ.-Doz. Dr. Anton Haid, Facharzt für Allgemein- und Thoraxchirurgie am LKH Feldkirch: „Eine derartige Vorbehandlung kann die Heilungschancen erhöhen, denn es besteht die Möglichkeit, den Tumor dadurch zu verkleinern. In 15 bis 50 Prozent der Fälle kommt es gar zum völligen Verschwinden.“
Hormontherapie?
Zwischen 40 und 80 Prozent der Brustkrebsgewächse hängen in ihrem Wachstumsverhalten von den weiblichen Geschlechtshormonen Östrogen und Gestagen ab. Haid: „Spezielle Medikamente können die Wirkung, die diese körpereigenen Hormone auf die Tumorzellen haben, abblocken.“ Dies kann vor einer Operation erfolgen, viele Patientinnen entscheiden sich aber auch nach einer erfolgreichen Behandlung für eine mehrjährige Hormontherapie – um die Gefahr eines Rückfalls einzudämmen. Allerdings kann es auch hier zu Nebenwirkungen kommen. „Etwa 20 Prozent der Patientinnen klagen über Beschwerden wie in den Wechseljahren. Derartige Beeinträchtigungen des allgemeinen Wohlbefindens können aber meist durch pflanzliche Präparate gelindert werden“, so der Experte.
Mehrzahl brusterhaltend operiert.
Ob mit oder ohne Vorbehandlung, um eine Operation kommen die wenigsten herum. Viele Frauen befürchten, dass dies gleichbedeutend mit einer kompletten Brustentfernung ist. Anton Haid beruhigt: „Eine Radikaloperation ist nur etwa bei 20 bis 25 Prozent aller Patientinnen erforderlich. Die Mehrzahl kann brusterhaltend operiert werden.“ Das bedeutet allerdings nicht, dass nur der Tumor entfernt wird. Um bereits im Zuge des Eingriffs das Rückfallrisiko zu verringern, werden auch eine Art „Sicherheitssaum“ gesunden Gewebes rund um den Tumor sowie Lymphknoten aus der gleichseitigen Achselhöhle entnommen.
Wunsch nach Brustimplantaten.
Trotzdem: In machen Fällen ist eine Radikaloperation, also eine Brustamputation, erforderlich. Selbstverständlich hat die sichere und komplette Entfernung des Tumors Priorität, doch ein radikaler Eingriff bedeutet für viele Frauen auch den Verlust der Weiblichkeit und lässt den Wunsch nach Brustimplantaten aufkommen – falls möglich, werde dieser auch erfüllt, so Haid: „Je nach Erkrankungsstadium und sofern der Wunsch besteht, führen wir dies auch bei der Erstoperation zusammen mit Kollegen von der Plastischen Chirurgie durch. Ist eine Nachbestrahlung notwendig, empfehlen wir den Aufbau erst nach abgeschlossener Behandlung.“
„Welche Art der Therapie angewendet und ob eine voroperative Behandlung durchgeführt wird, wird von Fall zu Fall und selbstverständlich stets in Absprache mit der Patientin entschieden.“
Univ.-Doz. Dr. Anton Haid, FA für Allgemein- und Thoraxchirurgie
Teil 3: ...bis zu Strahlen- und/oder Chemotherapie
Etwa 70 Prozent der Brustkrebsfälle werden heutzutage vollständig geheilt. Bis dahin ist es jedoch ein langer Weg: Von der Diagnose über Vorbehandlung und Operation bis zu Strahlen- und/oder Chemotherapie. Während der gesamten Behandlung treffen sich die zuständigen Spezialisten mindestens einmal wöchentlich. „Bei diesen sogenannten Tumorboards wird die Therapie für jede Patientin individuell besprochen, festgelegt und falls nötig angepasst“, weiß Univ.-Doz. Dr. Anton Haid, Facharzt für Allgemein- und Thoraxchirurgie am Landeskrankenhaus Feldkirch.
Strahlentherapie: Rückfälle vermeiden.
Bei einer Operation werden Tumor, umliegendes gesundes Gewebe und Lymphknoten entfernt. Haid: „Zur Vermeidung von Rückfällen ist aber in der Regel eine Nachbestrahlung erforderlich, denn kleine und noch nicht sichtbare Tumorzellnester müssen abgetötet werden.“ Zwei bis drei Wochen nach der Operation wird mit der Strahlentherapie begonnen. Etwa sechs Wochen dauert die Behandlung, denn die gesamte Dosis wird auf circa 30 bis 35 Einheiten aufgeteilt, von denen die Betroffenen jeweils nur eine täglich erhalten. Dadurch werden Haut und Allgemeinzustand so gering wie möglich belastet. Während und auch nach der Bestrahlung können Rötungen wie bei einem Sonnenbrand ersten Grades auftreten. „In seltenen Fällen kommt es auch zur Blasenbildung. Die Nebenwirkungen verschwinden aber nach einigen Tagen oder Wochen wieder vollständig“, so der Facharzt.
Chemo greift Zellen an.
Je nach Tumorcharakteristik und bei fortgeschritteneren Fällen ist – vor der Bestrahlung – eine Chemotherapie erforderlich. Die sogenannten Zyklen erfolgen normalerweise im Abstand von drei Wochen, insgesamt sechs Mal und im Rahmen tagesklinischer Aufnahmen. Ärzte und Pflegepersonal sind dabei sehr gefordert, denn eine Chemotherapie verlangt, laut Haid, hohes Fachwissen sowie viel Erfahrung über Wirkung und Nebenwirkungen dieser nicht ungefährlichen Substanzen: „Die hier verwendeten Medikamente greifen jene Zellen an, die sich rasch teilen. Leider zählen nicht nur Tumorzellen dazu, sondern auch gesunde Zellsysteme, wie weiße Blutkörperchen, deren Hauptaufgabe in der Abwehr von Krankheitserregern besteht.“ Daher sind Chemopatienten recht anfällig für Infektionserkrankungen. Weitere mögliche Nebenwirkungen: Müdigkeit, Leistungsschwäche, Übelkeit oder Haarausfall. Dagegen hilft viel Ruhe, Schlaf und die Aussicht, den Krebs zu besiegen.
Helfen, lindern, beistehen.
Es gab auch schon Patientinnen, die eine Behandlung ablehnten – leider nicht selten mit einem sehr tragischen Ausgang, berichtet Dr. Haid: „Auch die Schulmedizin hat nicht für alle Situationen eine sichere Therapie anzubieten. Helfend und lindernd einzugreifen und beizustehen, gelingt ihr jedoch in vielen Fällen. Schlussendlich kann und muss aber sicher jeder Mensch selbst entscheiden, was mit ihm geschieht.“
„Chemo- und Strahlentherapie können Nebenwirkungen haben. Unsere Aufgabe ist es, die einzelnen Behandlungen zu erläutern. Die Entscheidung ‚für oder gegen’ liegt bei der Patientin.“
Univ.-Doz. Dr. Anton Haid, FA für Allgemein- und Thoraxchirurgie
Kontaktdaten:
Univ.-Doz. Dr. Anton Haid
Facharzt für Chirurgie
Oberarzt in der Abteilung für Allgemein- und Thoraxchirurgie am Landeskrankenhaus Feldkirch
Ambulanz Ost, LKH Feldkirch
Carinagasse 47 6800 Feldkirch
T: 05522 303 4150
E: anton.haid@lkhf.at
Brustambulanz am LKH Feldkirch
Carinagasse 47
6800 Feldkirch
T: 05522 303 4610
Ambulanzzeiten:
Montag, 14.00 bis 17.00 Uhr
Donnerstag, 14.00 bis 16.00 Uhr
Österreichische Krebshilfe Vorarlberg
Franz-Michael-Felder-Straße 6
6845 Hohenems
Montag bis Freitag, 8.00 bis 17.00 Uhr
H: http://www.krebshilfe-vbg.at/home.shtm
frauenselbsthilfe nach krebs – vorarlberg
Gertraud Burgstaller
Burgen 771
6861 Alberschwende
T: 05579 4046
E: brustkrebs@frauenselbsthilfe.at
H: http://www.frauenselbsthilfe.at
Buchtipps:
„Brustkrebs. Wissen gegen Angst: Das Handbuch“ von Lilo Berg (Verlag: Goldmann; 2002)
„Wieder im Leben: Mein neuer Anfang nach der Diagnose Brustkrebs“ von Muriel Simon (Verlag: Lübbe; 2006)
„Jetzt ist heute: Mein Leben nach der Diagnose“ von Kora Decker (Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag; 2009)
Weiterführende Links:
Brustambulanz am Landeskrankenhaus Feldkirch
http://www.landeskrankenhaus.net/feldkirch/chirurgie/index.php?detail=1&v_id=fddb25945b3b8ff55fff3d0970a1cefe&id=07883f724da86fd82a67a0ff824b5b0d&PHPSESSID=8d37428cede1658ed05a2eb860b006be
Abteilung Chirurgie am Landeskrankenhaus Feldkirch: Mammachirurgie (Brustchirurgie)
http://www.khbg.at/feldkirch/chirurgie/index.php?v_id=eaf4fa388c4e0ff1e6d352073b6ee035
Österreichische Gesellschaft für Chirurgische Onkologie (ACO – Austrian Society of Surgical Oncology)
http://www.aco-asso.at